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21 Jahre SUSI POP: Hat sich das Werk
über den Zeitraum von zwei Dekaden verändert? |
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Nicht wirklich. Einige Vorstellungen
haben sich als nicht praktikabel erwiesen und wurden fallen gelassen.
Aber im Grunde kam SUSI POP als fertiges Konzept in die Welt.
Dem trägt die Bildstrecke des Katalogs Rechnung. Sie folgt
keiner Chronologie sondern mischt die verschiedenen Werkgruppen
aus unterschiedlichen Zeiten, und siehe da: Alles passt. Motive
oder Themen tauchen in verwandelter Form immer wieder auf. Es entsteht
ein Rhythmus oder eine Melodie ohne Anfang und Ende. Ein bisschen
wie bei Kaufhaus- oder Fahrstuhlmusik. |
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Aber am Anfang steht der Hexaeder.
Sowohl was die Ausstellungsgeschichte anbelangt, als auch den Katalog.
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Gäbe es neben der Farbe Magenta
und dem Namen SUSI POP als konstituierende Elemente ein weiteres
Kennzeichen oder Logo, wäre es sicher der Kubus oder Quader.
Er kommt (etwa im Gegensatz zur Kugel) in der Natur nicht vor und
ist das Ergebnis reiner Denkleistung und in der Anwendung, als konstruiertes
Objekt, universell. Das reicht vom Lehmziegel bis zum Wohnblock,
vom Elfenbeinkästchen zum Container. Außerdem bietet
die geschlossene Schachtel oder Kiste immer einen Thrill, ein Versprechen.
Jedes Kind kennt das von Weihnachten oder vom Geburtstag. |
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SUSI POP als "Jack in the
Box"?! |
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Ein Springteufel ist SUSI POP
nicht. Es wird keine Überraschungen geben. Die Kiste ist leer,
deshalb passt alles rein. |
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In der Tat, die Vielfalt der Sujets
und Themen ist enorm. Wie vermeidet es SUSI POP, ins Beliebige
abzugleiten? |
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Prinzipiell kennt SUSI POP drei
verschiedene "Produktionslinien": Die "Cover-Versionen",
die magentafarbenen Remakes bedeutender Kunstwerke aus der ferneren
und näheren Kunstgeschichte, die dadurch, meist aus aktuellem
Anlass, eine Neubewertung erfahren oder neu zur Diskussion gestellt
werden. Es geht dabei also um Revision. Unter der Rubrik People
and Politics finden sich bildnerische Kommentare zum Zeitgeschehen.
Ausgangsmaterial sind in der Regel (viel gesehene) Medienbilder,
die sich durch SUSI POPs Bearbeitung in Artefakte verwandeln.
Hier zeigt sich ein gewisses politisches oder soziologisches Interesse.
Allerdings enthalten sich die Kunstwerke jedweder Meinung oder Propaganda.
Es liegt beim Betrachter, eine "Haltung" zu entwickeln
(oder auch nicht). Die dritte Produktionslinie wird durch die Portraits
bestimmt. Sie werden im Auftrag produziert. Männer, Frauen,
Kinder, Hunde, Paare, ganze Familien. Alles ist möglich. Da
zeigt sich SUSI POP sehr geschmeidig, was die Wünsche
der Auftraggeber anbelangt. |
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Bei den Cover-Versionen spielt der
Zyklus Der Schnurrbart der Ulrike Meinhof eine besondere
Rolle. |
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Sagen wir, es ist die spektakulärste
Arbeit, aus diesem Bereich. Als Gerhard Richter 1995 seinen RAF-Zyklus
nach New York ans MOMA verkaufte, sah sich SUSI POP frei, ihre Version
davon herzustellen. Knapp 20 Jahre nach dem Tod von Baader, Ensslin
und Raspe und knapp 10 Jahre nachdem Richter die dunkle Serie gemalt
hatte, schien eine Revision angebracht. Eine Revision der historischen
Ereignisse um die RAF und eine Revision von Richters Zugriff auf
das Thema. Die Rezeption des Richter-Zyklus' war ziemlich verkitscht.
Darauf antwortete SUSI POP mit dem Schnurrbart der Ulrike
Meinhof. Dieser 15-teilige magentafarbene Zyklus befindet sich
inzwischen, Ironie der Geschichte, in der Sammlung der Nationalgalerie
- Hamburger Bahnhof in Berlin. Aber es gibt auch andere Cover-Versionen,
die sehr erfolgreich waren und sind. Lucian Freud hat zwei wunderbare
Vorlagen geliefert: Seine "Queen" und sein frühes
Portrait vom jungen Francis Bacon sind auch in der SUSI POP-Version
großartig und fanden schnell Sammler. |
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Das großformatige Bild von George
W. Bush aus dem Kapitel "People an Politics" hat eine
ähnlich starke Wirkung wie die Cover-Version des RAF-Zyklus'.
Überhaupt scheinen 9/11 und die Folgen ein wichtiges Thema
zu sein. |
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George W. Bush als er vom Anschlag
erfährt: Wenn das keine historische Momentaufnahme ist, die
aufgegriffen werden will. SUSI POP hat daraus ein monumentales
Bild gemacht. Der Überbringer der furchtbaren Nachricht und
der Präsident: Zwei riesige Köpfe. Die Reaktionen auf
das Bild waren ziemlich heftig. Es ist interessant, dass auch geübte
Kunstbetrachter oft nicht unterscheiden können zwischen Dargestelltem
und Darstellung. Die Ruinen des World Trade Centers am Tag danach
gaben auch ein eindrucksvolles Bild. Die Reste der gotisierenden
Fassade lassen an Caspar David Friedrich denken. Unter dem Titel
Powells Beweise dann gibt es eine Serie von Bildern, die
als Vorlage die Satellitenaufnahmen haben, die Powell vor der UNO
als Beweise für die Produktion von Massenvernichtungswaffen
vorführte. Damit wurde die Notwendigkeit einer Invasion des
Iraks begründet. Ein Drama in vielerlei Hinsicht. Eine tolle
Serie. |
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Eine ganze Reihe Bilder zeigen Motive
und Daten aus der Finanz- und Wirtschaftswelt. |
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Ja, die "Charts" reichen
in die 1980er Jahre zurück. SUSI POP erkannte schon
damals die Schönheit der Index-Kurven, also lange bevor Aktienspekulation
zum Volksvergnügen wurde. Auch da gibt es Interessantes zu
berichten von den Publikumsreaktionen auf der Frankfurter Kunstmesse.
Die Altachtundsechziger standen vor den handgemalten Diagrammen
und lobten den antikapitalistischen Impuls, während die Banker
entzückt waren darüber, dass ihr Alltag als Sujet der
Kunst entdeckt wurde. Alles eine Frage des jeweiligen Standpunktes.
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Noch ein paar Worte zu den Portraits?
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Die Auftragsportraits lassen eine bürgerliche
Tradition ganz unironisch wieder aufleben. Man verleiht sich selbst
und seinen Lieben Bedeutung. Man vergewissert sich seiner selbst.
Und die Mischung aus Fotografie, Siebdruck und Malerei gibt dem
Ganzen eine zeitgenössische Form. Mit den Portraits erreicht
SUSI POP auch ein Publikum, das einen sehr direkten Zugang
zur Kunst hat. Um sich einen riesigen George W. an die Wand zu hängen,
oder die toten Terroristen der RAF - dazu braucht es eine Menge
Sophistication oder Abgebrühtheit. Das rosafarbene Portrait
der Töchter aber geht auch, ohne dass man sich was aus Kuben
und Konzepten macht. |
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Und was hat es mit dem Satz "SUSI
POP bin ich" auf sich. Er steht auf manchem Portrait und
dient auch als Titel für das Buch. |
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Da allerdings ist ironische Distanz
zu sich selbst gefordert. Andererseits geht es ja nicht um Travestie.
"Madame Bovary c'est moi" sagte Flaubert von seiner berühmtesten
Romanfigur und beschrieb damit das Verhältnis des Autors zu
seiner von ihm erschaffenen Figur. In diesem Sinn ist die Textzeile
bei SUSI POP zu lesen - nur andersherum: Die Bovary sagt:
"Flaubert bin ich" und eignet sich die Autorenschaft einfach
selbst an. Und das ist ganz SUSI POP. |
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